Mittagsnachrichten von Radio ZP-30 am 27. März 2026

Im Chaco ist Wasser vorhanden, es fehlt allerdings an Forschung und konsequenter Nutzung. Das erklärte Ingenieur Fernando Larrosa im Gespräch mit ZP-30. Er ist Geologe, Dozent und Forscher an der Fakultät für Ingenieurswesen der Nationalen Universität von Asunción, UNA. Er erklärte in einem Interview, dass Paraguay insgesamt über große Wasserressourcen verfüge. Dabei gebe es aber Unterschiede zwischen den Regionen. Während Ost-Paraguay vergleichsweise einfachen Zugang zu gutem Wasser habe, sei die Situation im Chaco komplexer, so der Experte.

Ein wichtiger Aspekt sind sogenannte grenzüberschreitende Aquifere. Das sind unterirdische Wasserspeicher, die sich über mehrere Länder erstrecken. In ganz Amerika gibt es davon 73. Davon teilt sich Paraguay sieben mit seinen Nachbarländern.

Besonders im Chaco spielen drei dieser Aquifere eine zentrale Rolle, darunter das System Yrendá-Toba-Tarijeño, dass sich über Paraguay, Bolivien und Argentinien erstreckt. Die Wiederauffüllung des Grundwassers durch Regen erfolgt hauptsächlich in Bolivien. In Paraguay befindet sich eher der Bereich, in dem das Wasser austritt. Das zeigt laut Larrosa, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist, da Wasser ein gemeinsames Gut ist.

Der Experte betonte, dass es in Paraguay vor allem an verlässlichen Daten und langfristiger Planung fehle. Es sei wichtig, genau zu wissen, wo sich Aquifere befinden und wie viel Wasser dort vorhanden ist. Auch wie schnell sie sich wieder auffüllen und wie stark sie genutzt werden seien bedeutende Aspekte, die man im Auge behalten müsse. Ohne dieses Wissen sei eine nachhaltige Nutzung der Grundwasserspeicher unmöglich, so Larrossa.

Im Chaco ist die Situation besonders herausfordernd. Zwar gibt es dort auch Grundwasser, aber oft in unterschiedlicher Qualität. Während im Westen teilweise gutes Grundwasser vorhanden sei, sei das Wasser im zentralen Chaco häufig salzhaltig, erklärte der Experte.

Der Grund dafür liegt in der geologischen Geschichte der Region. – Denn der Chaco war früher deutlich tiefer gelegen und wurde durch Sedimente aus den Anden aufgefüllt. Zudem habe es laut Larrossa einst ein flaches Meer in dieser Region gegeben, das Salz und Mineralien im Boden hinterlassen habe. Diese beeinflussen bis heute die Wasserqualität. Hinzu kommt, dass sich das Grundwasser im Chaco sehr langsam bewegt, teilweise nur wenige Meter pro Jahr. Dadurch dauere es lange, bis sich das Wasser erneuert oder verbessert, erklärte der Geologe.

Ganz anders verhält sich das Grundwasser in Ost-Paraguay. Dort sorgen geologische Strukturen dafür, dass das Wasser schneller fließt und leichter zugänglich ist. Zudem befinde sich dort mit dem Guaraní-Aquifer eines der größten Grundwassersysteme der Welt. Im Chaco seien außerdem zahlreiche Siedlungen auf sogenannten Paläokanälen gebaut worden. Das sind alte Flussläufe. Diese können Wasser speichern, liefern aber oft nur begrenzte Mengen und nicht immer gute Qualität, so Larrossa.

Als wichtigste Maßnahme für eine effektivere Nutzung der Grundwasserleiter nannte Larrossa die konsequente Nutzung von Regenwasser. Dabei gehe es nicht nur darum, Wasser zu sammeln, sondern auch gezielt in den Boden zu leiten. Dadurch würden sich die Grundwasserleiter wieder auffüllen, erklärte er. Das sei besonders wichtig im Chaco, weil bei dem heißen Wetter viel Wasser verdunstet, und zwar bis zu 9 mm pro Tag bei hohen Temperaturen. Wasser, das in den Boden gelangt, bleibe dagegen langfristig erhalten und verbessere zudem die Qualität des Grundwassers. Solche Methoden der künstlichen Grundwasseranreicherung würden bereits teilweise angewendet, müssten jedoch deutlich ausgeweitet werden, so der Una-Dozent.

Für Larrosa ist klar, dass der Chaco grundsätzlich über Wasserressourcen verfügt. Entscheidend sei ein gutes Management der Grundwasserleiter. Dazu gehören mehr Forschung, klare staatliche Strategien und eine gute Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. (ZP-30)


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