Biozeanischer Korridor treibt Entwicklung in Carmelo Peralta voran

Nach Angaben des Bürgermeisters des Distrikts Carmelo Peralta, Silverio Adorno, gegenüber Radio ZP 30, sei die Stadtverwaltung bestrebt, eine geordnete Stadtplanung umzusetzen. Hintergrund sei, dass Carmelo Peralta mit der Fertigstellung des biozeanischen Korridors zu einer wichtigen Grenzstadt zu Brasilien werden wird. Seiner Ansicht nach müssten dafür die staatlichen Einrichtungen präsent sein, um die entsprechende Infrastruktur in den verschiedenen Bereichen sicherzustellen.

Er verwies darauf, dass die Stadtverwaltung bereits vor längerer Zeit ein Grundstück zur Verfügung gestellt habe, um dort Sicherheitskräfte anzusiedeln. Man gehe davon aus, dass das Gebäude in diesem Jahr fertiggestellt werde. Auch die Einrichtung eines Hafens sei in die Stadtplanung miteinbezogen. Mit der Entwicklung kämen laut Adorno nicht nur Vorteile in die Stadt, sondern auch die Herausforderungen im Bereich der sozialen Sicherheit.

Bürgermeister Adorno äußerte seine Besorgnis, dass in Carmelo Peralta kein funktionierendes Standesamt vorhanden sei, in dem Kinder registriert und entsprechende Urkunden ausgestellt werden könnten, um anschließend einen Personalausweis zu beantragen. Dies führe dazu, dass viele Familien über die Grenze nach Porto Murtinho fahren, um ihre Kinder dort registrieren zu lassen. Es habe einen freiwilligen Beamten gegeben, der von der Munizipalität bezahlt wurde, es fehlte jedoch an Material, so dass diese Institution über Jahre hinweg nicht funktionsfähig gewesen sei. Die Distriktbehörden bedauern, dass die Einwohner von Carmelo Peralta dadurch ihre lokale Identität als sogenannte „Carmalenses“ verlieren würden, da viele junge Menschen entweder in Brasilien, Puerto Casado oder in noch anderen Ortschaften registriert werden müssten.

Auch im Zusammenhang mit dem Personalausweis komme es häufig zu Problemen: Arbeitsnehmer befänden sich nicht selten in der Situation, eine würdige Arbeitsstelle gefunden zu haben, diese jedoch wieder zu verlieren, weil ihr Personalausweis beispielsweise abgelaufen sei und erneuert werden müsse.   

Bürgermeister Adorno verwies auf die rapide Entwicklung der Ortschaft, insbesondere im Hinblick auf die Verbindungsbrücke nach Brasilien, die in absehbarer Zeit fertiggestellt sein soll. Vor diesem Hintergrund bemühe sich die Stadtverwaltung um Verbesserungen im Stadtzentrum von Carmelo Peralta. Wichtig für die Stadtverwaltung sei auch, dass die Einwohner über eigene Grundstücke verfügen. Ihrer Ansicht nach könnte das Institut für ländliche Entwicklung und Landbesitz, Indert, auch in ihrem Distrikt stärker präsent sein, damit Grundstückseigentümer rechtliche Sicherheit erlangen. Ohne Eigentumstitel wolle niemand in der Zone investieren, so der Bürgermeister. Die Erschließung neuer Parzellen oder Wohngebiete werde zusätzlich dadurch erschwert, da viele Flächen von Ansässigen bewohnt werden, die jedoch über keine Eigentumstitel verfügen.

Auf Distriktebene arbeite man derzeit an einem städtischen und territorialen Ordnungsplan für Carmelo Peralta, der bereits vom Umweltministerium genehmigt worden sei. Damit plane man das städtische Wachstum von Carmelo Peralta gezielt auszuweiten.  Mit dem Bevölkerungszuwachs müssten jedoch auch grundlegende Bedürfnisse verbessert werden. Etwa eine stabile Stromversorgung und eine zuverlässige Wasserversorgung.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass sich die Arbeitsmarktsituation inzwischen deutlich verändert habe: Heute kämen mehr Menschen aus Brasilien nach Carmelo Peralta, um dort zu arbeiten, als umgekehrt. Sie seien dankbar für die zahlreichen Arbeitsplätze, die vor allem durch Bauprojekte geschaffen würden. In dieser Woche habe man zum Beispiel im Stadtzentrum mit der Pflasterung von 2 tausend 500 Metern Straße begonnen, ein Projekt der nationalen Regierung. Hinzu käme der Bau der internationalen Brücke. 150 Familien des Bezirks Carmelo Peralta bestreiten ihren Lebensunterhalt nach Angaben des Bürgermeisters derzeit durch Bauprojekte. Im Hinblick auf die Insel „Isla Margarita“ erklärte Adorno gegenüber Radio ZP-30, dass diese eine wichtige Rolle in den städtischen Planungen spiele. Die Isla Margarita liegt am Ufer des Paraguayflusses: Auf der einen Seite befindet sich Porto Murtinho im Bundesstaat Mato Grosso do Sul an der Grenze zu Brasilien, auf der anderen Seite Carmelo Peralta im Departament Alto Paraguay, zu dem die Insel gehört. Laut Adorno habe man dort rund 360 Hektar als Reserve ausgewiesen, die direkt an die Insel angrenzen. Vorgesehen sei, in diesem Gebiet den Umwelt- und Naturtourismus zu entwickeln.